Das "Tor nach Europa" wird zum "Tor in die Welt"
Rhein Main Air Base Gateway

Das "Tor nach Europa" wird zum "Tor in die Welt"

Sie war Amerikas „Tor nach Europa“ – die Rhein-Main Air Base. Auf dem Gelände des ehemals größten Militärflughafens außerhalb der USA, im Süden des Frankfurter Flughafens, entsteht seit Oktober 2015 das neue Terminal 3. In Zukunft werden von hier Millionen Passagiere in die ganze Welt starten.


Die Rhein-Main Air Base war von 1945 bis 2005 ein zentraler Militärstützpunkt der US-Luftwaffe in Deutschland und zeitweise Heimat für 7.000 Soldaten und deren Angehörige. Zum Stützpunkt gehörten neben zwei Wohnsiedlungen mit einer eigenen Schule auch zwei Theater und eine Eisbahn.

Kultureller Austausch und Begegnungen


Der US-Militärflughafen war für viele der hier stationierten Soldaten das „Tor nach Europa“ und nicht nur auf dem Flughafengelände war „Gateway to Europe“ Programm: Die Air Base stand für den kulturellen Austausch zwischen Deutschen und Amerikanern. Ein Höhepunkt waren die Flugshows, die zwischen 1948 und 1998 stattfanden und den deutschen Nachbarn einen bis dato seltenen Blick auf den „american way of life“ mit Popcorn, Zuckerwatte und Eis boten.

Rosinenbomber für Berlin


Berühmtheit erlangte der Militärstützpunkt während der Berlin-Blockade durch die sowjetische Besatzungsmacht von Juni 1948 bis Mai 1949: Die sogenannten Rosinenbomber der US-Alliierten versorgten die Menschen in den abgeriegelten Stadtteilen mit Lebensmitteln. Noch heute erinnert das Luftbrückendenkmal – ein Brückenbogen und zwei Rosinenbomber – im Süden des Frankfurter Flughafens an diese Zeit.

Ein „Tor in die Welt“


Im August 2005 übergab der US-Luftwaffengeneral Mike Snodgrass in einer Feier den Schlüssel der Air Base an Fraport und besiegelte damit den Rückzug der US-Luftwaffe. Mit dem Bau von Terminal 3 schreibt Fraport die Geschichte dieses Geländes fort – von Terminal 3 werden jedes Jahr 14 Millionen Reisende in die ganze Welt starten. Das ehemalige „Tor nach Europa“ wird dann zum „Tor in die Welt“.

Ereignisse im Überblick


1945
                Die US-Armee besetzt den ehemaligen Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main und baut ihn zu einem Luftwaffenstützpunkt aus.

1948/1949     Im Rahmen der Luftbrücke versorgen Rosinenbomber während der Berlin-Blockade die Bevölkerung mit Lebensmitteln.

1991                Während des zweiten Golfkriegs starten etwa 150.000 Soldaten von der Rhein-Main Air Base in die Golfregion.

1993                Die US-Luftwaffe beschließt die Verkleinerung des Militärflughafens und den schrittweisen Rückzug der Soldaten.

1999                Gemeinsam vereinbaren die US-Luftwaffe, Fraport, die NATO, die Bundesrepublik Deutschland, die Stadt Frankfurt sowie die Länder Hessen                          und Rheinland-Pfalz die Auflösung der Air Base.

2005                Mike Snodgrass, US-Luftwaffengeneral, übergibt den Schlüssel zum Militärflughafen-gelände an Fraport und besiegelt damit die                             Schließung der Rhein-Main Air Base.

Drei Fragen an Dr. John Provan


Lange bevor die US-Amerikaner das Gelände im Süden des Frankfurter Flughafens – dort wo heute das neue Terminal 3 entsteht – zu einem Militärflughafen ausbauten, war hier ein bedeutsamer Ort für den Flug- und Luftschiffverkehr. Im Interview gibt der Historiker und Luftschiffexperte Dr. John Provan einen Einblick in die Zeit des Flug- und Luftschiffhafens Rhein-Main.

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Am 8. Juli 1936 eröffnete der Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main. Bereits 1935 begannen im Süden des Geländes die Arbeiten zur damals größten Luftschiffhalle in Europa. Welche Bedeutung hatte der Bau dieser Halle für den Flughafen?

Ebenso wie der Bau der großen Luftschiffe stellte die Konstruktion einer riesigen Luftschiffhalle für damalige Verhältnisse eine beeindruckende Ingenieursleistung dar. Das Gebäude maß in der Länge 305 Meter, in der Breite 61 Meter und in der Höhe 56 Meter. Mit dem Bau dieser Halle sowie einer weiteren, kleineren Halle schuf der Flughafen Frankfurt zahlreiche Arbeitsplätze. Auch nach der Fertigstellung waren diese beiden Luftschiffhallen ein wichtiger Teil des Flughafens: Die Luftschiffe wurden für Wartungsarbeiten sowie zum Schutz vor Wind dort untergebracht. Damit konnte der Flughafen den Erhalt der Luftschiffe sichern und so seine Wettbewerbsfähigkeit in der Luftschifffahrt ausbauen.

Welche Flugzeuge und Luftschiffe starteten und landeten am Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main?

Das erste Flugzeug, das 1936 auf dem damals modernsten Flughafen der Welt landete, war eine Maschine der Lufthansa vom Typ Ju-52 D-AQUO. Rasch nahm der zivile Fluggastverkehr Fahrt auf: Bis Jahresende wurde der neue Flughafen von knapp 60.000 Fluggästen genutzt. Sie reisten mit einem der berühmten Luftschiffe „Hindenburg“ oder „Graf Zeppelin“ nach Amerika oder sie stiegen für ihre Weiterreise hier um. Von Anfang an war der Flughafen ein wichtiges Drehkreuz – für Passagiere und für den Postversand nach Übersee.

Welche Rolle spielte die Luftschifffahrt für den Flughafen Frankfurt?

Mit der Luftschifffahrt entwickelte sich der Flughafen im Frankfurter Stadtwald zum ersten internationalen Flughafen der Welt – denn interkontinentale Luftschifffahrten starteten von hier. Innerhalb von zweieinhalb Tagen konnten Fluggäste von Frankfurt nach New York reisen. Nach Südamerika brauchten die Luftschiffe dreieinhalb Tage. Als im Mai 1937 das Luftschiff „Hindenburg“ auf seinem Flug nach Lakehurst, New Jersey, verunglückte, fand die Luftschifffahrt ein plötzliches Ende.

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